PROJEKTBERICHT

Hier einige Auszüge aus dem letzten Projektbericht unserer Partner in Darjeeling:

"Wir möchten unsere Arbeit an einigen konkreten Beispielen darstellen: Harsing ist eines der Dörfer, in denen wir von Anfang an präsent waren. Zunächst haben wir uns Zeit genommen, den Kontakt zu den Leuten aufzubauen. Wir haben sie ermutigt, ihre Bedürfnisse zu äußern, und gemeinsam Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen überlegt. Mit Hilfe eines 'food-for-work'- Programms * wurden eine Schule und ein Kindergarten gebaut. Auf dringendem Wunsch der Dorfgemeinschaft begannen wir mit einem Mutter- Kind- Programm, das Schwangerschaftsberatung, regelmäßige Gesundheitsüberwachung der Kleinkinder, Unterricht in Säuglingspflege und Gesundheitsvorsorge umfaßt. Die Idee einer Milchkooperative funktioniert inzwischen sehr gut; die Bauern werden von Mitarbeitern des Hayden Hall Institute veterinärmedizinisch beraten.

In Jawahar Basti II ist die Organisation der Dorfbewohner besonders weit fortgeschritten. Es gibt ein äußerst aktives 'People's Committee' (Entwicklungskomitee). In Eigenregie wurden Straßen und Brücken ausgebessert und einfache, funktionale Häuser für wirtschaftlich schwache Familien gebaut. Durch Auswaschung und Unterspülung waren die Hügel von Jawahar Basti II gefährdet; die Leute haben selbst Befestigungsanlagen gebaut und eine Reihe von Häusern vor dem Einsturz bewahrt. (Die Hügel waren früher mit Teesträuchern bewachsen und liegen heute brach). Dies alles wurde in freiwilliger, unentgeltlicher Arbeit geleistet. Die Baumaterialien. wurden von der Regierung gestellt. Daß die Leute die staatlichen Förderprogramme kennen und wissen, wie sie die ihnen zustehenden Mittel erhalten, ist wesentlich der Aufklärungsarbeit des Hayden-Hall-Instituts zu danken.

Auch die Frauengruppen sind sehr gut und effektiv. Es gibt einen Sparfonds, in den alle Frauen regelmäßig einzahlen. Einige von ihnen haben kleine produktive Projekte begonnen, beispielsweise eine Geflügel- und, wie in  Harsing,  Milchviehhaltung. In früheren Jahren, als die Region ganz von den Teeplantagen beherrscht war, gab es solche Initiativen nicht. Inzwischen sind die Pflanzungen verlassen; deshalb ist es unumgänglich, neue Einkommensquellen zu erschließen.

Alubari, etwa eine Gehstunde von Darjeeling entfernt, ist ein für diese Region typisches Dorf: Die Häuser liegen weit auseinander am Fuß der Hügel, und die Nachbarn müssen große Entfernungen überwinden, um zueinander zu kommen. Gerade hier ist aber die Nachbarschaftshilfe besonders ausgeprägt. Man geht einander beim Hausbau zur Hand; auch existiert ein Krankenbesuchsdienst. Alubari ist in das Tbc-Bekämpfungsprogramm des Hayden-Hall-Instituts einbezogen. Man kann sagen, daß die  Bildungs- und Entwicklungsarbeit des Instituts dazu beigetragen hat, ein gesundes politisches Bewußtsein unter den Leuten zu entwickeln. Mit 'politisch' meinen wir: Sie haben erkannt, daß sie gemeinsam für das Wohlergehen des  Dorfes und der einzelnen Familien verantwortlich sind, und sie sind in der Lage, die verschiedenen staatlichen Hilfen in Anspruch zu nehmen. Die Mitarbeiter des Hayden-Hall-lnstituts wollen in erster Linie Orientierung geben, indem sie Gemeinde- und Gruppenleiter ausbilden, sie wollen Wegbegleiter' sein, statt das Leben der Dorfgemeinschaft und die Entwicklung zu dominieren.

Besonders wichtig ist die Weiterbildung und Motivation der Gesundheitshelfer. Einige von ihnen sind schon seit 13 Jahren in den Dörfern tätig. Das wichtigste Problem ist die Vorbeugung gegen Tbc und die Identifizierung und Behandlung von Tbc-Fällen. Hier sind gute Resultate erzielt worden; man kann vor allem beobachten, daß der Aberglaube abgenommen hat.Die medizinischen Mitarbeiter des Hayden-Hall-lnstituts besuchen die Dörfer regelmäßig, um die Gesundheitshelfer - es sind meist Frauen - in ihrer Arbeit zu unterstützen."

Diese Beispiele zeigen, da für Hayden Hall eines besonders wichtig, ja vorrangig ist - die Beteiligung der Bevölkerung an allen Entscheidungen und Entwicklungsmaßnahmen. "Entwicklung ist vor allem ein permanenter Erziehungsprozeß", heißt es im Projektbericht.

 Julius Nyerere aus Tansania hat es einmal so ausgedrückt: Menschen können nicht entwickelt werden, sie können sich nur selbst entwickeln.

* Food for work: Die einheimische Bevölkerung wird für ihre Arbeitsleistung mit Naturalien (Nahrungsmitteln) entlohnt.

haydenhall@teehaus-samowar.de